Abschiedsrede: Beispiele für Kollegen, für den Chef, zum Ruhestand und für den eigenen Abschied
Auf dieser Seite findest du sieben vollständige Abschiedsreden zum Vorlesen: zum Ruhestand einer Kollegin, für einen Kollegen, der die Firma wechselt, die Rede eines Geschäftsführers für seine Personalleiterin, die Rede eines Teams an seinen Chef, zwei eigene Abschiedsreden für den Jobwechsel und den Ruhestand und eine kurze Rede, die nach einer Minute vorbei ist. Dazu kommen zehn Trinksprüche und Antworten auf die Fragen, die sich vor einer Verabschiedung fast alle stellen.
Viele Abschiede fallen ans Jahresende: Manche hören zum Jahreswechsel auf, andere fangen im Januar woanders an, und die Verabschiedung wird Teil der Weihnachtsfeier. Alle Namen, Firmen und Geschichten auf dieser Seite sind erfunden. Abschreiben hilft dir deshalb wenig: Die Rede für Brigitte funktioniert, weil sie von einer Landkarte mit Stecknadeln erzählt, und diese Karte hängt in eurem Büro nicht. Nimm dir den Aufbau, den Ton und die Länge, und setz eure eigenen Geschichten ein. Unter jeder Rede steht, warum sie funktioniert und welche Fragen du für deine Version beantworten solltest. Wie eine Abschiedsrede grundsätzlich aufgebaut ist, erklärt die Seite Abschiedsrede schreiben.
Rede zum Ruhestand einer Kollegin
Wenn eine Kollegin nach Jahrzehnten in den Ruhestand geht, wird die Rede schnell zum Lebenslauf. Besser ist ein einziger Gegenstand oder Satz, an dem alle sehen, wie sie gearbeitet hat. Dirk sitzt seit sechsundzwanzig Jahren in der Disposition einer Spedition in Duisburg gegenüber von Brigitte, die nach einundvierzig Jahren aufhört. Gefeiert wird in der Fahrzeughalle, mit Kolleginnen, Kollegen und vielen Fahrern.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Dirk, Kollege aus der Disposition, über Brigitte
528 Wörter · etwa 4 Min.
Liebe Brigitte, lieber Klaus, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Fahrerinnen und Fahrer,
ich bin Dirk, und ich sitze seit sechsundzwanzig Jahren Brigitte gegenüber. Schreibtisch an Schreibtisch, Telefon an Telefon. Ihr habt mich hier nach vorne geschickt, weil ich sie am längsten kenne. Das stimmt nicht ganz. Die Karte kennt sie länger.
Wer mal bei uns in der Disposition war, weiß, welche ich meine: die Deutschlandkarte an der Wand hinter Brigittes Platz. Sie hängt da seit 1985, jedenfalls bis letzten Montag, aber dazu komme ich noch. Vergilbt, mit Hunderten Stecknadeln. Rote für Baustellen, gelbe für Rasthöfe mit ordentlichen Duschen, grüne für Kunden, bei denen man schnell abgeladen wird. In einundvierzig Jahren haben wir drei neue Programme für die Tourenplanung bekommen. Die Karte hat alle drei überlebt. Brigitte hat jedes Mal gesagt: „Schönes Programm. Frag trotzdem vorher den Fahrer.“
Das war ihr Prinzip. Brigitte hat Touren nicht für Lastwagen geplant, sondern für Menschen. Sie wusste, wer kleine Kinder hat und freitags pünktlich zu Hause sein muss, wer ungern durch Frankfurt fährt und wer nach einer Currywurst bessere Laune hat. Bei Problemen haben die Fahrer nie zuerst den Chef angerufen, sondern Brigitte. Manche haben auch angerufen, wenn es gar kein Problem gab.
Die Geschichte, die hier alle kennen, ist der Winter 2010. Schneechaos, die A2 dicht, dreiundzwanzig von unseren Fahrern stecken zwischen Hannover und Dortmund fest. Brigitte ist an dem Abend nicht nach Hause gegangen. Sie hat jeden Fahrer alle zwei Stunden angerufen. Um elf Uhr nachts hat sie dann einen Landgasthof bei Bad Eilsen angerufen, in dem sie 1991 mal einen Fahrer untergebracht hatte. Die Wirtin wusste noch, wer sie ist. Am Ende haben vierzehn Fahrer da im Saal geschlafen, auf Matten aus dem Turnverein, und morgens gab es Erbsensuppe. Unter den Fahrern heißt der Gasthof bis heute „Brigittes Hotel“. Auf der Karte steckt da eine blaue Nadel. Die einzige blaue.
Mich hat Brigitte im Jahr 2000 eingearbeitet. Ich kam aus dem Lager und dachte, ich kann Logistik. In der ersten Woche gab sie mir eine Tour nach Passau und sagte: „Plan die mal.“ Ich habe sie geplant, sehr stolz. Brigitte hat einen Blick darauf geworfen und gefragt: „Und wo schläft der Mann?“ Seitdem stelle ich diese Frage bei jeder Tour. Danke, Brigitte, für diese Frage und für alles, was du mir sonst beigebracht hast, meistens ohne dass ich es gemerkt habe.
Ab Januar planst du nur noch eine Tour, deine eigene. Klaus hat mir verraten, dass das Wohnmobil schon vor der Tür steht und die erste Fahrt zum Nordkap gehen soll. Brigitte, du hast einundvierzig Jahre lang anderen gesagt, wo sie langfahren sollen. Jetzt fährst du selbst. Klaus, ein Rat von mir: Diskutier nicht über die Route.
Und weil wir wissen, dass du die Karte vermissen wirst, bleibt sie nicht bei uns. Wir haben sie am Montag abgehängt, und seitdem haben alle Fahrer und alle aus dem Büro an ihren Lieblingsort eine neue Nadel gesteckt, mit einem kleinen Zettel daran. Es sind zweiundsechzig Zettel geworden. Die Karte ist jetzt gerahmt, und Klaus hat versprochen, im Wohnmobil eine Wand dafür freizuräumen.
Bitte hebt eure Gläser. Auf Brigitte, auf die Karte und auf jede Tour, die jetzt noch kommt. Gute Fahrt!
Aus diesen Stichpunkten ist die Rede gebaut
- Brigitte: 41 Jahre Disposition, ich sitze ihr seit 26 Jahren gegenüber
- Die Karte hinter ihrem Platz, seit 1985: rote Nadeln Baustellen, gelbe Rasthöfe mit Duschen, grüne Kunden mit schnellem Abladen
- Ihr Satz bei jeder neuen Software: „Frag trotzdem vorher den Fahrer.“
- Winter 2010: A2 dicht, 23 Fahrer fest, Landgasthof bei Bad Eilsen („Brigittes Hotel“), Erbsensuppe. Blaue Nadel
- Hat mich 2000 eingearbeitet: „Und wo schläft der Mann?“
- Plan: mit Klaus im Wohnmobil, zuerst zum Nordkap
- Geschenk: die Karte, gerahmt, 62 neue Nadeln mit Zetteln
- Bitte vermeiden: der Verkauf der Firma 2017
Warum sie funktioniert
- Einstieg
- Dirk sagt in zwei Sätzen, warum er spricht, und übergibt dann an einen Gegenstand. Die Karte trägt die ganze Rede, vom Rückblick bis zum Geschenk.
- Rückblick ohne Lebenslauf
- Einundvierzig Jahre passen nicht in vier Minuten. Statt Stationen aufzuzählen, zeigen drei Farben Stecknadeln, wie Brigitte gearbeitet hat: für Menschen, nicht für Lastwagen.
- Eine Geschichte
- Der Winter 2010 hat einen Ort, eine Uhrzeit und ein Detail, das bleibt, die Erbsensuppe. Die blaue Nadel holt die Geschichte zurück zur Karte.
- Persönlicher Dank
- Statt „Danke für alles“ dankt Dirk für eine einzige Frage. Daran sieht jeder im Raum, was er von Brigitte gelernt hat.
- Ausblick und Geschenk
- Der Ruhestand kommt als Bild aus ihrer eigenen Welt: Jetzt fährt sie selbst. Das Geschenk ist dieselbe Karte, also braucht es keine Erklärung.
Das brauchst du für deine Version
Diese Fragen stellt dir RedeStudio zu einer Abschiedsrede. Für diese Rolle zählen vor allem:
- Die Person und ihre AufgabeWer wird verabschiedet? Welche Aufgabe hatte die Person, und wie lange war sie dabei?
- Stationen im UnternehmenWelche Stationen, Projekte und Veränderungen hat die Person in ihrer Zeit miterlebt oder geprägt?
- Die Art zu arbeitenWie war die Zusammenarbeit? Was war typisch für die Art, wie die Person gearbeitet hat?
- Geschichten aus dem ArbeitsalltagWelche Geschichte aus dem Arbeitsalltag erzählt man sich über diese Person?
- DankWofür möchtest du oder das Team Danke sagen? Was wird fehlen?
- Was als Nächstes kommtWas hat die Person nach dem Abschied vor? Was wünscht das Team ihr für die neue Zeit?
- Bitte vermeidenGibt es Themen, die beim Abschied nicht vorkommen sollen?
Bei einer Kollegin, die seit Jahrzehnten dabei ist, ist die Frage nach der Art zu arbeiten am ergiebigsten. Frag auch die, die nicht mit ihr im Büro sitzen: Welchen Satz sagt sie immer? Ein Satz, den alle kennen, trägt eine Rede weiter als jede Jahreszahl.
Schreib deine eigene Version
RedeStudio stellt dir diese Fragen und macht aus deinen Antworten einen ersten Entwurf, den du Satz für Satz anpasst. Der Anlass „Abschied & Ruhestand“ ist schon ausgewählt, als Rolle wählst du danach „Kollegin / Kollege“.
Abschiedsrede für einen Kollegen, der die Firma wechselt
Geht jemand für eine neue Stelle, darf die Rede nach vorn schauen und sollte trotzdem sagen, was fehlen wird. Leonie arbeitet im Kundenservice eines Onlineshops für Fahrradteile in Göttingen. Ihr Kollege Mehmet wird nach sechs Jahren Teamleiter bei einem Hersteller von Lastenrädern in Hamburg. Gefeiert wird am Freitagnachmittag im Lager, mit Pizza.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Leonie, Kollegin aus dem Kundenservice, über Mehmet
341 Wörter · etwa 2,5 Min.
Lieber Mehmet, liebe alle,
Mehmet hat mich gebeten, keine lange Rede zu halten. Deshalb halte ich eine mittellange.
Als ich vor vier Jahren hier angefangen habe, saß ich neben Mehmet. An meinem dritten Tag hatte ich einen Kunden am Telefon, der mich zehn Minuten lang angeschrien hat, weil seine Kette gerissen war. Danach saß ich da und hatte Tränen in den Augen. Mehmet hat mir einen Kaffee hingestellt und gesagt: „Der war nicht sauer auf dich. Der war sauer auf seine Kette.“ Diesen Satz sage ich mir seitdem ungefähr einmal pro Woche.
Mehmet hat in sechs Jahren unser Wiki geschrieben. Vierhundertzwölf Einträge, von „Bremse schleift“ bis „Kunde will einen Rahmen zurückgeben, den er selbst lackiert hat“. Jeder Eintrag fängt mit denselben zwei Wörtern an: Keine Panik. Wer bei uns neu ist, lernt das Wiki, bevor er den Lagerplan lernt.
Und dann ist da die Sache mit dem Quietschen. Eine Kundin rief an, ihr Fahrrad quietsche, aber sie wisse nicht, wo. Mehmet hat sie gebeten, das Handy neben das Rad zu legen und langsam die Kurbel zu drehen. Er hat zugehört, die Augen zugemacht und gesagt: „Tretlager. Ich schicke Ihnen das Werkzeug.“ Zwei Wochen später kam eine Postkarte: „Es quietscht nicht mehr. Danke an den Mann mit dem Ohr.“ Die Karte hängt bis heute an der Kaffeemaschine, und da bleibt sie.
Mehmet, wir freuen uns für dich, ehrlich. Ein eigenes Team, Lastenräder, Hamburg: Das passt zu dir. Wir verlieren nicht nur den Kollegen, der jede Schaltung am Klang erkennt. Wir verlieren auch den, der dienstags Kuchen vom Bäcker mitgebracht hat, weil Dienstag seiner Meinung nach der schwerste Tag der Woche ist. Wir haben das nie überprüft. Wir haben einfach gegessen.
Wir haben dir eine Fahrradklingel gekauft, aus Messing, schwer wie ein Briefbeschwerer. Eingraviert ist: Keine Panik. Häng sie an dein erstes Lastenrad oder an deinen neuen Schreibtisch. Und wenn es in Hamburg mal laut wird, klingel einmal und denk an uns.
Auf Mehmet, den Mann mit dem Ohr! Und wenn dein neues Team ein Wiki braucht: Du weißt ja, wie das geht.
Aus diesen Stichpunkten ist die Rede gebaut
- Mehmet: 6 Jahre Kundenservice, wird Teamleiter bei einem Lastenrad-Hersteller in Hamburg
- Mein dritter Tag: Kunde schreit wegen Kette. Mehmet: „Der war sauer auf seine Kette.“
- Unser Wiki: 412 Einträge, jeder fängt mit „Keine Panik“ an
- Quietschendes Rad am Telefon, Tretlager nach Gehör. Postkarte „Danke an den Mann mit dem Ohr“ an der Kaffeemaschine
- Dienstags Kuchen vom Bäcker
- Geschenk: Messingklingel, Gravur „Keine Panik“
Warum sie funktioniert
- Einstieg
- Ein Satz Selbstironie, dann sofort eine Szene. Leonie erzählt, was Mehmet für sie getan hat, statt zu behaupten, er sei hilfsbereit gewesen.
- Was bleibt
- Das Wiki zeigt, was von Mehmet bleibt, wenn er weg ist. Eine Zahl wie 412 wirkt, weil alle im Raum schon darin gesucht haben.
- Eine Geschichte
- Die Postkarte ist Pointe und Beweis zugleich. Dass sie an der Kaffeemaschine hängen bleibt, sagt mehr als „Du wirst uns fehlen“.
- Ausblick und Geschenk
- Beim Jobwechsel klingt Freude ehrlicher als Wehmut. Die Rede gratuliert zuerst und sagt erst danach, was fehlen wird, mit dem Kuchen statt mit Pathos. Die Klingel nimmt das Motto aus dem Wiki mit nach Hamburg.
Das brauchst du für deine Version
Diese Fragen stellt dir RedeStudio zu einer Abschiedsrede. Für diese Rolle zählen vor allem:
- Die Person und ihre AufgabeWer wird verabschiedet? Welche Aufgabe hatte die Person, und wie lange war sie dabei?
- Der Grund für den AbschiedWarum wird verabschiedet: Ruhestand, eine neue Stelle, ein Umzug oder etwas ganz anderes?
- Die Art zu arbeitenWie war die Zusammenarbeit? Was war typisch für die Art, wie die Person gearbeitet hat?
- Geschichten aus dem ArbeitsalltagWelche Geschichte aus dem Arbeitsalltag erzählt man sich über diese Person?
- DankWofür möchtest du oder das Team Danke sagen? Was wird fehlen?
- Was als Nächstes kommtWas hat die Person nach dem Abschied vor? Was wünscht das Team ihr für die neue Zeit?
- Bitte vermeidenGibt es Themen, die beim Abschied nicht vorkommen sollen?
Beim Jobwechsel reicht für den Grund ein halber Satz: neue Stelle, neue Stadt. Was nicht zur Sprache kommen soll, etwa Ärger in der alten Abteilung, trägst du bei „Bitte vermeiden“ ein.
Schreib deine eigene Version
RedeStudio stellt dir diese Fragen und macht aus deinen Antworten einen ersten Entwurf, den du Satz für Satz anpasst. Der Anlass „Abschied & Ruhestand“ ist schon ausgewählt, als Rolle wählst du danach „Kollegin / Kollege“.
Rede des Chefs zum Ruhestand einer Mitarbeiterin
Verabschiedet die Geschäftsführung jemanden in den Ruhestand, spricht sie für das ganze Unternehmen. Die Rede soll offiziell danken und trotzdem persönlich klingen. Andreas Pohl leitet einen Pumpenhersteller mit 280 Leuten im Oldenburger Münsterland und verabschiedet Hannelore Weiß, die dreiunddreißig Jahre im Betrieb war, die letzten siebzehn als Personalleiterin. Die beiden siezen sich, wie es dort üblich ist, und die Rede zeigt, dass auch das warm klingen kann.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Andreas Pohl, Geschäftsführer, über Hannelore Weiß
421 Wörter · etwa 3,5 Min.
Liebe Frau Weiß, lieber Herr Weiß, liebe Kolleginnen und Kollegen,
bevor ich anfange, bitte ich Sie um etwas. Heben Sie einmal kurz die Hand, wenn Frau Weiß Ihr Vorstellungsgespräch geführt hat.
Frau Weiß, schauen Sie sich um. Das ist mehr als der halbe Saal. Und ich gehöre dazu.
Sie haben 1993 bei uns in der Lohnbuchhaltung angefangen, damals stempelten alle noch mit Karten aus Pappe. 2009 haben Sie die Personalabteilung übernommen. Seitdem haben Sie mehr als sechshundert Vorstellungsgespräche geführt, und in jedem kam irgendwann dieselbe Frage: „Was haben Sie zuletzt repariert?“
Ich weiß noch, was ich geantwortet habe. Das Rücklicht an meinem Fahrrad, und ehrlich gesagt hatte ich es nicht repariert, sondern mit Klebeband festgemacht. Sie haben trotzdem gelächelt. Später haben Sie mir erklärt, warum Sie das fragen: Wer darauf mit einer Geschichte antwortet, will verstehen, wie etwas funktioniert. Solche Leute brauchen wir. Unser Werkstattleiter hat damals von der Nähmaschine seiner Großmutter erzählt. Er sitzt heute in der zweiten Reihe und hat mir vorhin gesagt, dass die Maschine immer noch läuft.
Was Sie aufgebaut haben, hängt nicht an der Wand, es sitzt in diesem Saal. 2016 haben Sie durchgesetzt, dass wir junge Geflüchtete ausbilden, mit einem Deutschkurs, der dienstags nach der Schicht in der Kantine stattfand. Viele hatten damals Zweifel, ich auch. Neun von ihnen arbeiten heute noch bei uns, zwei bilden inzwischen selbst aus.
Ihre Tür stand offen, im wörtlichen Sinn. Wer zu Ihnen wollte, brauchte keinen Termin. In Ihrer Schreibtischschublade lagen Pflaster, Traubenzucker und Taschentücher, und ich vermute, Sie wussten über diese Firma mehr als ich. Sie haben dieses Wissen nie benutzt, um recht zu behalten, sondern um zu helfen.
Im Namen der Geschäftsführung und aller, die heute hier sind, danke ich Ihnen für dreiunddreißig Jahre. Für jeden Menschen, den Sie zu uns geholt haben, und für jeden, dem Sie geholfen haben zu bleiben, wenn es zu Hause oder hier gerade schwer war.
Sie haben erzählt, dass Sie jetzt Portugiesisch lernen, weil Ihre Enkelin in Porto aufwächst. Und Ihr Mann hat mir vorhin verraten, dass im Keller seit drei Jahren ein Rasenmäher steht, der nicht mehr anspringt. Wenn Sie also im Ruhestand jemand fragt, was Sie zuletzt repariert haben, wissen Sie bald, was Sie antworten.
Wir haben Ihnen ein Buch gemacht. Darin hat jeder hier im Saal, den Sie eingestellt haben, aufgeschrieben, was er Ihnen damals geantwortet hat. Es sind hundertvierundachtzig Seiten geworden. Liebe Gäste, bitte erheben Sie Ihre Gläser: Auf Frau Weiß, auf dreiunddreißig Jahre und auf alles, was in Porto und im Keller noch auf sie wartet.
Aus diesen Stichpunkten ist die Rede gebaut
- Frau Weiß: seit 1993 im Betrieb, erst Lohnbuchhaltung, seit 2009 Personalleiterin
- Ihre Frage in jedem Vorstellungsgespräch: „Was haben Sie zuletzt repariert?“ Mehr als 600 Gespräche
- Einstieg: Hand heben, wer bei ihr im Vorstellungsgespräch war. Ich auch (Rücklicht mit Klebeband)
- 2016: Ausbildung für junge Geflüchtete, Deutschkurs dienstags in der Kantine. 9 sind noch da, 2 bilden selbst aus
- Tür immer offen, Schublade mit Pflaster und Traubenzucker
- Plan: Portugiesisch lernen, Enkelin in Porto. Herr Weiß: Rasenmäher im Keller
- Geschenk: Buch mit den Antworten von damals, 184 Seiten
- Bitte vermeiden: die Kündigungen 2009
Warum sie funktioniert
- Einstieg
- Die Bitte, die Hand zu heben, macht in zehn Sekunden sichtbar, was Frau Weiß in dreiunddreißig Jahren bewirkt hat. Danach muss der Geschäftsführer ihre Bedeutung nicht mehr behaupten.
- Ein roter Faden
- Die Frage aus dem Vorstellungsgespräch kommt viermal vor: als Erinnerung, als Erklärung, im Ausblick und im Geschenk. So wirkt die Rede gebaut statt aufgezählt.
- Leistung mit Zahl
- Das Ausbildungsprojekt bekommt eine Zahl und ein ehrliches Eingeständnis („ich auch“). Wer offiziell dankt, darf zugeben, dass die Person es besser wusste.
- Dank im Namen des Unternehmens
- Der offizielle Dank steht an seinem Platz, ist aber konkret: für jeden, den sie geholt hat, und für jeden, dem sie geholfen hat zu bleiben.
- Siezen mit Wärme
- Die Rede bleibt beim „Sie“, das die beiden dreiunddreißig Jahre lang benutzt haben. Die Wärme kommt aus Details wie der Schublade und dem Rasenmäher, nicht aus der Anrede.
Das brauchst du für deine Version
Diese Fragen stellt dir RedeStudio zu einer Abschiedsrede. Für diese Rolle zählen vor allem:
- Die Person und ihre AufgabeWer wird verabschiedet? Welche Aufgabe hatte die Person, und wie lange war sie dabei?
- Stationen im UnternehmenWelche Stationen, Projekte und Veränderungen hat die Person in ihrer Zeit miterlebt oder geprägt?
- Was die Person bewegt hatWas hat die Person geschafft oder aufgebaut? Worauf kann sie stolz sein?
- Die Art zu arbeitenWie war die Zusammenarbeit? Was war typisch für die Art, wie die Person gearbeitet hat?
- DankWofür möchtest du oder das Team Danke sagen? Was wird fehlen?
- Was als Nächstes kommtWas hat die Person nach dem Abschied vor? Was wünscht das Team ihr für die neue Zeit?
- Bitte vermeidenGibt es Themen, die beim Abschied nicht vorkommen sollen?
Als Führungskraft kennst du die Eckdaten, aber oft nicht die Geschichten. Frag die Menschen, die jahrelang mit der Person gearbeitet haben, und nimm ihre Antworten mit Namen in die Rede. Was offiziell nicht erwähnt werden soll, zum Beispiel eine Umstrukturierung, trägst du unter „Bitte vermeiden“ ein.
Schreib deine eigene Version
RedeStudio stellt dir diese Fragen und macht aus deinen Antworten einen ersten Entwurf, den du Satz für Satz anpasst. Der Anlass „Abschied & Ruhestand“ ist schon ausgewählt, als Rolle wählst du danach „Führungskraft“.
Abschiedsrede des Teams an den Chef
Wenn das Team seinen Chef verabschiedet, darf die Rede ein bisschen frech sein. Vor allem sollte sie sagen, was er für die Leute getan hat. Ob Büro, Werkstatt oder Küche, der Aufbau ist derselbe. Katarina ist Souschefin in einem Restaurant in Lüneburg. Ihr Küchenchef Jan geht nach neun Jahren, um in Lübeck ein eigenes kleines Restaurant zu eröffnen. Sie spricht nach dem letzten Service in der Küche, vor Köchen, Service und Spüle.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Katarina, Souschefin, im Namen des Teams an Jan
411 Wörter · etwa 3,5 Min.
Lieber Jan, liebe Küche, lieber Service, ihr an der Spüle,
ich soll heute für alle sprechen. Das haben wir demokratisch entschieden: Ich war die Einzige, die nicht schnell genug weggeschaut hat.
Jan, du hast mich vor neun Jahren als Azubi eingestellt. Ich konnte damals nicht einmal eine Zwiebel richtig schneiden. Du hast dich neben mich gestellt und nichts gesagt. Du hast nur deine eigene Zwiebel geschnitten, langsam, und ich habe es nachgemacht. Eine Woche lang, jeden Tag. Erklärt hast du es mir nie. Ich glaube, das war die Erklärung.
Das Wichtigste in dieser Küche war nie die Karte. Es war das Personalessen. Jeden Tag um halb fünf sitzen alle an dem langen Tisch hinten, Köche, Service, Spüle, keiner am Handy, keiner im Stehen. Jeder Neue fand das am Anfang seltsam. Nach einem Monat wollte es keiner mehr hergeben.
Und dann gibt es den Silvesterabend vor drei Jahren. Ausgebucht, hundertzehn Gäste, um halb acht fällt die Spülmaschine aus. Totalausfall. Wir haben uns angesehen und gedacht: Das war's. Jan hat seine Jacke ausgezogen, die Ärmel hochgekrempelt und sich an die Spüle gestellt. Vier Stunden lang hat er Teller von Hand gespült und zwischendurch die Bestellungen gerufen, ohne sich umzudrehen. Pawel, der sonst spült, hat in dieser Nacht zum ersten Mal Desserts angerichtet. Er macht das bis heute. Die Gäste haben nichts gemerkt. Wir schon.
Danke, Jan, dass du rausgegangen bist, wenn sich ein Gast beschwert hat, statt einen von uns zu schicken. Danke, dass du jeden Fehler unter vier Augen besprochen hast und jedes Lob vor allen. Und danke für den Satz, den du sagst, wenn um neun am Pass alles gleichzeitig kommt: „Erst atmen, dann anrichten.“ Ich sage ihn inzwischen selbst, und er funktioniert sogar bei mir.
Jetzt machst du dein eigenes Restaurant auf. Zwölf Tische in Lübeck, und du kochst, was du willst. Wir freuen uns für dich, auch wenn es hier ab Montag ein bisschen leiser wird. Eins wissen wir jetzt schon: Bei dir gibt es um halb fünf ein Personalessen, auch wenn das Personal am Anfang nur aus dir und deiner Schwester besteht.
Deshalb haben wir dir etwas mitgebracht. Alle, die in den neun Jahren in dieser Küche gestanden haben, haben ihr Rezept fürs Personalessen aufgeschrieben. Dreiundvierzig Rezepte, gebunden. Das von Pawel heißt nur „Kartoffeln mit Ei“, und es ist das beste.
Hebt eure Gläser, auch ihr hinten an der Spüle. Auf Jan, auf zwölf Tische in Lübeck und auf jedes Personalessen, das noch kommt. Erst atmen, dann anstoßen!
Aus diesen Stichpunkten ist die Rede gebaut
- Ich spreche für alle: Küche, Service, Spüle. Jan hat mich vor neun Jahren als Azubi eingestellt
- Zwiebeln schneiden: Er hat nichts erklärt, nur vorgemacht
- Personalessen jeden Tag um halb fünf, alle am langen Tisch, kein Handy
- Silvester vor drei Jahren: Spülmaschine kaputt, Jan spült vier Stunden. Pawel richtet zum ersten Mal Desserts an
- Bei Beschwerden geht Jan selbst raus. Fehler unter vier Augen, Lob vor allen
- Sein Satz am Pass: „Erst atmen, dann anrichten.“
- Geht nach Lübeck, eigenes Restaurant, zwölf Tische
- Geschenk: 43 Rezepte fürs Personalessen, gebunden
Warum sie funktioniert
- Einstieg
- Ein kleiner Witz darüber, wie Katarina zur Rednerin wurde, nimmt allen die Feierlichkeit. Dann folgt sofort eine Erinnerung, die zeigt, wie Jan führt: vormachen statt erklären.
- Was er eingeführt hat
- Das Personalessen ist das, was nach Jan bleibt. Die Rede beschreibt es so genau, dass auch Partnerinnen und Partner im Raum verstehen, warum es dem Team wichtig ist.
- Eine Geschichte
- Der Chef an der Spüle ist die Szene, die alle kennen und trotzdem noch einmal hören wollen. Pawel bekommt seinen Moment, so wird aus einer Heldengeschichte über Jan eine über das Team.
- Dank, der Führung beschreibt
- Drei konkrete Danke sagen mehr über gute Führung als „Du warst ein toller Chef“. Jeder im Raum kennt die Situationen, um die es geht.
- Geschenk und Trinkspruch
- Das Geschenk greift das Personalessen auf, und der Trinkspruch spielt mit Jans eigenem Satz. Die Rede endet dort, wo das Team zu Hause ist.
Das brauchst du für deine Version
Diese Fragen stellt dir RedeStudio zu einer Abschiedsrede. Für diese Rolle zählen vor allem:
- Die Person und ihre AufgabeWer wird verabschiedet? Welche Aufgabe hatte die Person, und wie lange war sie dabei?
- Die Art zu arbeitenWie war die Zusammenarbeit? Was war typisch für die Art, wie die Person gearbeitet hat?
- Was die Person bewegt hatWas hat die Person geschafft oder aufgebaut? Worauf kann sie stolz sein?
- Geschichten aus dem ArbeitsalltagWelche Geschichte aus dem Arbeitsalltag erzählt man sich über diese Person?
- DankWofür möchtest du oder das Team Danke sagen? Was wird fehlen?
- Was als Nächstes kommtWas hat die Person nach dem Abschied vor? Was wünscht das Team ihr für die neue Zeit?
- Bitte vermeidenGibt es Themen, die beim Abschied nicht vorkommen sollen?
Sprichst du für das Team, frag vorher drei, vier Leute nach ihrem Moment mit der Chefin oder dem Chef, auch die, die nicht gern reden. Bei der Frage nach dem Dank lohnt sich ein zweiter Blick: Was hat sie oder er für euch getan, das von außen niemand gesehen hat?
Schreib deine eigene Version
RedeStudio stellt dir diese Fragen und macht aus deinen Antworten einen ersten Entwurf, den du Satz für Satz anpasst. Der Anlass „Abschied & Ruhestand“ ist schon ausgewählt, als Rolle wählst du danach „Kollegin / Kollege“.
Eigene Abschiedsrede beim Jobwechsel
Wer selbst geht, muss niemandem etwas beweisen. Die eigene Abschiedsrede ist kein Rückblick auf die eigenen Erfolge, sondern ein Dank an die Menschen, mit denen man gearbeitet hat. Sina war sieben Jahre im Controlling einer Brauerei in Regensburg und zieht mit ihrem Partner nach Kopenhagen. Zum Abschied hat sie Brezen ins Sudhaus bestellt und spricht dort knapp drei Minuten.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Sina, Controllerin, bei ihrem eigenen Abschied
334 Wörter · etwa 2,5 Min.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
danke, dass ihr alle gekommen seid, auch die Frühschicht, die seit zwei Stunden Feierabend hat. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt eine Rede halte. Dann ist mir eingefallen, dass ich sieben Jahre lang in jeder Besprechung zu lange geredet habe. Auf das eine Mal kommt es jetzt auch nicht mehr an.
An meinem ersten Tag hatte ich eine Tabelle dabei, mit Kennzahlen zu jedem Sud. Ich war sehr stolz darauf. Toni, unser Braumeister, hat sie sich angesehen, freundlich genickt und gesagt: „Schön. Komm mal mit.“ Dann hat er mich hierher ins Sudhaus mitgenommen, mir einen Becher Würze in die Hand gedrückt und gesagt: „Bevor du unsere Zahlen rechnest, musst du sie riechen.“ Ich habe damals nicht verstanden, was er meint. Heute weiß ich es: Hinter jeder Zahl in meiner Tabelle stand jemand von euch, um vier Uhr morgens, am Kessel.
Ich habe hier mehr gelernt als im Studium. Von Toni, dass man einer Zahl erst glaubt, wenn man weiß, wo sie herkommt. Von Gabi aus der Buchhaltung, dass man jede Rechnung freundlich anmahnen kann, auch die dritte. Und von der Abfüllung, dass man um zwei Uhr nachts noch lachen kann, wenn das Band steht und keiner weiß, warum.
Ihr wisst, warum ich gehe: Jonas hat eine Stelle in Kopenhagen, und ich wohne lieber mit ihm in einer Stadt, in der ich niemanden kenne, als ohne ihn in einer, in der ich alle kenne. Leicht ist mir das nicht gefallen. Ihr seid der Grund dafür.
Für Lena, meine Nachfolgerin, habe ich einen dicken Ordner angelegt. Das Wichtigste steht aber nicht darin, deshalb sage ich es hier: Lena, geh in deiner ersten Woche ins Sudhaus und lass dir von Toni einen Becher Würze geben. Und wenn dir die Abfüllung um zwei Uhr nachts eine Mail schreibt, ruf lieber an.
Ich wünsche euch einen Sommer mit vollem Biergarten und eine Abfüllanlage, die durchhält. Wenn ihr mal nach Kopenhagen kommt, das Gästebett steht. Bringt bitte Bier mit. Prost, und danke für sieben Jahre!
Aus diesen Stichpunkten ist die Rede gebaut
- Sieben Jahre Controlling, ziehe mit Jonas nach Kopenhagen
- Erster Tag: meine Tabelle. Toni nimmt mich mit ins Sudhaus: „Bevor du unsere Zahlen rechnest, musst du sie riechen.“
- Gelernt: von Toni (woher die Zahl kommt), von Gabi (freundlich mahnen), von der Abfüllung (lachen um zwei Uhr nachts)
- Grund: Jonas, Kopenhagen. Ist mir nicht leichtgefallen
- Für Lena: erste Woche ins Sudhaus, lieber anrufen als mailen
- Gästebett in Kopenhagen
Warum sie funktioniert
- Einstieg
- Sina dankt zuerst denen, die extra geblieben sind, und lacht dann über sich selbst. Wer selbst geht, sollte die ersten Sätze den anderen widmen.
- Eine Geschichte über die anderen
- Die Geschichte vom ersten Tag handelt von Toni, nicht von Sinas Erfolgen. Eine eigene Abschiedsrede wird gut, wenn die Kolleginnen und Kollegen darin die Hauptrolle spielen.
- Der Grund in zwei Sätzen
- Sina sagt, warum sie geht, ohne ein Wort über die Firma. Der Satz danach („Ihr seid der Grund dafür“) macht aus der Erklärung einen Dank.
- Übergabe und Wünsche
- Der Rat an die Nachfolgerin vor allen ist eine Verbeugung vor dem Team, keine Belehrung. Zum Schluss kommen Wünsche, eine Einladung und ein Prost.
Das brauchst du für deine Version
Diese Fragen stellt dir RedeStudio zu einer Abschiedsrede. Für diese Rolle zählen vor allem:
- Die Person und ihre AufgabeWer wird verabschiedet? Welche Aufgabe hatte die Person, und wie lange war sie dabei?
- Der Grund für den AbschiedWarum wird verabschiedet: Ruhestand, eine neue Stelle, ein Umzug oder etwas ganz anderes?
- Geschichten aus dem ArbeitsalltagWelche Geschichte aus dem Arbeitsalltag erzählt man sich über diese Person?
- DankWofür möchtest du oder das Team Danke sagen? Was wird fehlen?
- Was als Nächstes kommtWas hat die Person nach dem Abschied vor? Was wünscht das Team ihr für die neue Zeit?
- Bitte vermeidenGibt es Themen, die beim Abschied nicht vorkommen sollen?
Wenn du dich selbst verabschiedest, schreibst du bei der ersten Frage über dich, aber kurz. Mehr Zeit lohnt sich bei der Frage nach dem Dank: Wer hat dir was beigebracht? Schreib die Namen dazu.
Schreib deine eigene Version
RedeStudio stellt dir diese Fragen und macht aus deinen Antworten einen ersten Entwurf, den du Satz für Satz anpasst. Der Anlass „Abschied & Ruhestand“ ist schon ausgewählt, als Rolle wählst du danach „Ich verabschiede mich selbst“.
Eigene Rede zum Abschied in den Ruhestand
Bei der eigenen Verabschiedung in den Ruhestand hat man das letzte Wort, und alle hören zu. Das ist die Gelegenheit, Danke zu sagen, ohne Bilanz zu ziehen. Jürgen war achtunddreißig Jahre Vermessungstechniker in einem Katasteramt an der Nordsee. Vor ihm haben schon der Amtsleiter und eine Kollegin gesprochen, seine Rede kommt zum Schluss, kurz vor dem Buffet.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Jürgen, Vermessungstechniker, bei seiner eigenen Verabschiedung
415 Wörter · etwa 3,5 Min.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Herr Thomsen, liebe Inge,
nach zwei so freundlichen Reden weiß ich gar nicht, wer dieser Jürgen sein soll. Ich kenne nur einen, der seit achtunddreißig Jahren seine Thermoskanne im Dienstwagen vergisst.
Wer in der Vermessung arbeitet, lernt als Erstes: Man misst nie allein. Einer hält den Stab, einer schaut durchs Gerät. Achtunddreißig Jahre lang hat immer jemand von euch den Stab gehalten, bei Nordwestwind auf dem Deich, im Februar auf einem Acker, auf dem man bis zu den Knöcheln einsinkt. Ich habe nachgezählt, mit wem ich draußen war. Es sind einunddreißig Leute. Ein paar von euch sitzen hier, ein paar sind selbst schon im Ruhestand. Und an Hauke denke ich heute besonders. Er hätte jetzt einen Witz über meine Krawatte gemacht.
Eine Geschichte muss ich erzählen, sonst gibt Birte nachher keine Ruhe. 1997 haben wir in einem Koog bei Husum einen Grenzstein gesucht, der laut Karte da sein musste. Zwei Stunden haben wir gesucht, gegraben, gemessen. Dann kam der Bauer mit dem Trecker vorbei und wollte wissen, was wir da machen. Ich habe es ihm erklärt. Er hat gelacht und gesagt: „Den Stein? Der liegt bei mir im Garten. Da steht der Briefkasten drauf.“ Wir haben den Stein zurückgebracht. Der Briefkasten steht jetzt daneben.
Ich möchte Danke sagen. Ihnen, Herr Thomsen, dafür, dass Sie mich haben machen lassen, auch als ich bei der Umstellung auf die neue Software laut geschimpft habe. Ich hatte unrecht, sie ist gut. Birte, dir dafür, dass du mir in den letzten Jahren alles am Tablet erklärt hast, ohne ein einziges Mal die Augen zu verdrehen, jedenfalls nicht, wenn ich hingeguckt habe. Und euch allen dafür, dass ihr mich auch an den Tagen ertragen habt, an denen es geregnet hat und ich schlechte Laune hatte. An der Nordsee waren das einige.
Und Inge. Du hast achtunddreißig Jahre lang morgens die Thermoskanne gefüllt, die ich dann im Auto vergessen habe. Ab Montag trinken wir den Kaffee zusammen, am Küchentisch. Ich verspreche dir, die Kanne bleibt im Haus.
Was ich jetzt vorhabe? Ich habe mir vorgenommen, nichts mehr zu vermessen. Inge sagt, das halte ich keine drei Wochen durch, und sie hat recht: Unser Gartenzaun steht seit Jahren schief, und ich weiß inzwischen auf den Zentimeter, um wie viel. Euch wünsche ich trockene Messtage, Bauern mit Humor und Grenzsteine, die da liegen, wo sie hingehören.
Ich hebe mein Glas auf euch. Auf einunddreißig Leute, die den Stab gehalten haben, und auf alle, die ihn jetzt weiter halten. Danke!
Aus diesen Stichpunkten ist die Rede gebaut
- 38 Jahre Vermessung beim Katasteramt. Vor mir sprechen Herr Thomsen (Amtsleiter) und Birte
- Thermoskanne immer im Dienstwagen vergessen
- Man misst nie allein: 31 Leute haben mir den Stab gehalten. An Hauke denken (verstorben)
- 1997, Koog bei Husum: Grenzstein unter dem Briefkasten des Bauern
- Dank: Herr Thomsen (Software, ich hatte unrecht), Birte (Tablet), alle (schlechte Laune bei Regen)
- Inge: ab Montag Kaffee zusammen am Küchentisch
- Plan: nichts mehr vermessen. Der Gartenzaun steht schief
Warum sie funktioniert
- Einstieg
- Jürgen knüpft an die Reden vor ihm an und macht sich mit einem Detail klein, das alle kennen. Wer zum Schluss spricht, sollte aufgreifen, was die Gäste gerade gehört haben.
- Ein Bild für die Zusammenarbeit
- „Man misst nie allein“ kommt aus seinem Beruf und erklärt, warum diese Rede vor allem ein Dank ist. Die Zahl einunddreißig macht daraus mehr als eine Floskel.
- Erinnerung
- Der verstorbene Kollege bekommt zwei Sätze und den Witz, den er selbst gemacht hätte. Das ehrt ihn, ohne die Feier zu verdunkeln.
- Dank mit Selbstironie
- Jeder Dank hat einen Namen und einen Grund, und zweimal gibt Jürgen zu, dass er nicht immer einfach war. Das macht den Dank glaubwürdig.
- Ausblick
- Der Ruhestand kommt mit einem Bild aus dem eigenen Leben, dem schiefen Gartenzaun, statt mit Sprüchen über Freizeit und Wecker.
Das brauchst du für deine Version
Diese Fragen stellt dir RedeStudio zu einer Abschiedsrede. Für diese Rolle zählen vor allem:
- Die Person und ihre AufgabeWer wird verabschiedet? Welche Aufgabe hatte die Person, und wie lange war sie dabei?
- Stationen im UnternehmenWelche Stationen, Projekte und Veränderungen hat die Person in ihrer Zeit miterlebt oder geprägt?
- Geschichten aus dem ArbeitsalltagWelche Geschichte aus dem Arbeitsalltag erzählt man sich über diese Person?
- Der Mensch hinter der ArbeitWas weiß man über das Leben außerhalb der Arbeit? Familie, Hobbys, Leidenschaften?
- DankWofür möchtest du oder das Team Danke sagen? Was wird fehlen?
- Was als Nächstes kommtWas hat die Person nach dem Abschied vor? Was wünscht das Team ihr für die neue Zeit?
- Bitte vermeidenGibt es Themen, die beim Abschied nicht vorkommen sollen?
Für die eigene Rede zum Ruhestand ist die Frage nach dem Dank die wichtigste. Schreib zu jeder Person dazu, was sie getan hat. Was die Rednerinnen und Redner vor dir erzählen, musst du nicht wiederholen. Frag vorher, welche Geschichten sie geplant haben.
Schreib deine eigene Version
RedeStudio stellt dir diese Fragen und macht aus deinen Antworten einen ersten Entwurf, den du Satz für Satz anpasst. Der Anlass „Abschied & Ruhestand“ ist schon ausgewählt, als Rolle wählst du danach „Ich verabschiede mich selbst“.
Kurze Abschiedsrede in einer Minute
Nicht jede Verabschiedung hat einen Saal und ein Buffet. Oft steht man mit Kaffee und Kuchen im Flur, und nach einer Minute will die Hälfte zurück an den Schreibtisch. Auch dann braucht die Rede eine Sache, die nur diese Person ausmacht. Olaf verabschiedet seine Kollegin Helga aus der Poststelle einer Stadtverwaltung in den Ruhestand.
Beispiel – Namen und Geschichten sind erfunden
Olaf, Kollege, über Helga
119 Wörter · etwa 1 Min.
Liebe Helga, liebe alle,
ich mache es kurz, der Kuchen steht schon da.
Helga, auf deinem Schreibtisch in der Poststelle stand siebenundzwanzig Jahre lang ein Glas mit Bonbons. Jeden Montag hast du es aufgefüllt, aus eigener Tasche. Ich habe mal nachgerechnet: Das sind ungefähr vierzehnhundert Montage. Wir haben immer gesagt, wir kommen nur kurz wegen der Post. Das stimmte nie. Wir kamen wegen der Bonbons, und geblieben sind wir wegen dir. Du wusstest, wessen Kind gerade Prüfung hat, wer umzieht und wer heute lieber nicht angesprochen werden möchte.
Wir haben dir ein neues Glas gekauft, und jeder hat etwas hineingetan. Es ist ziemlich voll geworden.
Auf Helga, und darauf, dass bei dir zu Hause nie jemand nur kurz vorbeikommt!
Warum sie funktioniert
- Aufbau
- Ein Satz Einstieg, ein Gegenstand, eine Pointe, ein Geschenk, ein Trinkspruch. Mehr braucht eine kurze Rede nicht.
- Eine Sache statt alles
- Das Bonbonglas steht für alles, was Helga für die anderen im Haus war. Wer kurz spricht, muss sich für ein einziges Bild entscheiden.
- Eine kleine Rechnung
- Vierzehnhundert Montage machen aus einer Gewohnheit eine Leistung, und niemand muss „gute Seele“ sagen.
Trinksprüche zum Abschied
Ein Trinkspruch ist der letzte Satz deiner Rede oder, wenn du keine Rede halten möchtest, deine ganze Rede. Diese zehn sind kurz genug, um sie auswendig zu sagen, und passen zum Ruhestand wie zum Jobwechsel. Am besten klingen sie mit einem Detail aus eurer gemeinsamen Zeit, so wie „Erst atmen, dann anstoßen“ in der Rede an den Küchenchef.
- Auf alles, was du hier aufgebaut hast, und auf alles, was du ab morgen nicht mehr erledigen musst.
- Auf deinen ersten Montag im Ruhestand. Möge er sich anfühlen wie ein Samstag, nur länger.
- Auf alles, was in deinen Ordnern steht, und auf alles, was nur du wusstest. Für Letzteres haben wir ja deine Nummer.
- Auf deine neue Stelle: Mögen die Kolleginnen und Kollegen dort fast so gut sein wie wir. Ganz so gut wäre unfair.
- Auf jeden Tag, an dem du ans Telefon gegangen bist, obwohl es nicht deine Aufgabe war. Danke!
- Auf die nächste Stadt, das nächste Team und die nächste Kaffeemaschine. Möge sie besser sein als unsere.
- Auf die Zeit, die jetzt dir gehört, und auf alle, mit denen du sie teilst. Zum Wohl!
- Vom Team an die Chefin: Danke für die offene Tür. Wir halten sie dir auf, falls du mal zu Besuch kommst.
- Für die eigene Rede: Ich hebe mein Glas auf euch. Ihr wart der beste Grund, morgens herzukommen.
- Auf alles, was du uns beigebracht hast, ohne es je zu erklären. Wir machen es jetzt einfach so weiter.
So machst du ein Beispiel zu deiner Rede
Erzähl eure Geschichte, nicht die aus dem Beispiel
Wenn du in der Rede für Brigitte nur die Namen tauschst, erzählst du von einer Landkarte, die bei euch nie an der Wand hing, und alle im Raum merken das. Nimm stattdessen den Bauplan: ein Gegenstand oder ein Satz, den alle kennen, ein Rückblick in wenigen Stationen, eine Geschichte mit Ort und Zeit, ein konkreter Dank, ein Ausblick und zum Schluss Geschenk und Trinkspruch. Dann such die Szene aus eurer gemeinsamen Zeit, die an diese Stelle passt.
Sammle Geschichten im Team
Frag drei, vier Leute, die lange mit der Person gearbeitet haben, auch aus anderen Abteilungen und auch die, die schon gegangen sind: Welcher Satz von ihr fällt dir zuerst ein? Was hast du von ihm gelernt? Du bekommst Geschichten, die du selbst nicht kanntest, und die Rede wird ein Abschied von allen. Was aus dem Privatleben in die Rede kommt, entscheidet die Person selbst. Frag im Zweifel nach.
Lies sie laut, mit Uhr
Bei einer Verabschiedung hören die Gäste oft im Stehen zu, mit einem Glas in der Hand. Lies deine Fassung zwei-, dreimal laut und stopp die Zeit. Bei ruhigem Tempo sprichst du etwa 125 Wörter pro Minute, vier Minuten sind also rund 500 Wörter. Wo du stolperst, ist der Satz zu lang, und wo du selbst ungeduldig wirst, darfst du streichen.
Wie eine Abschiedsrede grundsätzlich aufgebaut ist und welche Tipps sonst helfen, steht auf der Seite Abschiedsrede schreiben.
Häufige Fragen zur Rede beim Abschied
In welcher Reihenfolge wird bei einer Verabschiedung gesprochen?
Meist beginnt die Führungskraft oder die Geschäftsführung mit dem offiziellen Dank, danach spricht jemand aus dem Team, und das letzte Wort hat die Person, die geht. Bei einem großen Abschied in den Ruhestand kommt manchmal der Betriebsrat oder Personalrat dazu. Mehr als drei, vier Reden verträgt kaum eine Feier, zusammen nicht länger als eine Viertelstunde. Sprecht vorher ab, wer welche Geschichte erzählt, sonst hören die Gäste die Anekdote vom ersten Arbeitstag zweimal.
Was sage ich, wenn ich die Person kaum kenne?
Das passiert öfter, als man denkt, etwa wenn eine neue Chefin jemanden nach dreißig Jahren verabschieden muss. Sag es offen, in einem Satz, zum Beispiel dass du erst seit acht Monaten mit ihr zusammenarbeitest. Dann lass andere zu Wort kommen: Frag zwei, drei langjährige Kolleginnen und Kollegen nach ihrer Geschichte und nenne sie in der Rede mit Namen. Die Eckdaten für den Rückblick, also Eintritt, Stationen und Projekte, kennt die Personalabteilung, oder du fragst die Person selbst. Die Geschichten bekommst du nur im Team.
Wie übergebe ich das Abschiedsgeschenk in der Rede?
Am besten am Ende, kurz vor dem Trinkspruch, dann leitet das Geschenk zum gemütlichen Teil über. Sag in einem Satz, was es ist und warum ihr es ausgesucht habt, am liebsten mit Bezug zu einer Geschichte aus der Rede, so wie die Karte mit den Stecknadeln für Brigitte. Haben viele zusammengelegt, sag, von wem es kommt, aber nie, was es gekostet hat. Und lass die Person nicht vor allen auspacken, wenn das Geschenk viele Zettel oder Fotos enthält: Die liest man besser in Ruhe.
Darf ich in meiner eigenen Abschiedsrede sagen, warum ich gehe?
Ja, in einem oder zwei Sätzen: eine neue Stelle, ein Umzug, die Familie. Mehr braucht niemand. Was du darüber hinaus sagst, hören die, die bleiben, als Urteil über ihren Arbeitsplatz. Kritik an der Firma, am Gehalt oder an Einzelnen gehört deshalb nicht in die Rede, auch nicht als Witz. Wenn dir der Abschied schwerfällt, darfst du das sagen. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Kompliment an die anderen.
Mehrere gehen zum Jahresende: eine Rede oder mehrere?
Zum Jahresende gehen oft mehrere Kolleginnen und Kollegen gleichzeitig, und die Verabschiedung wird Teil der Weihnachtsfeier. Dann ist eine gemeinsame Rede mit einem eigenen Absatz für jede Person besser als fünf einzelne Reden hintereinander. Achte darauf, dass die Absätze ungefähr gleich lang sind und jede Person eine eigene Geschichte bekommt, nicht nur Jahreszahlen. Wie der Rest einer solchen Rede klingen kann, zeigen die Beispiele für die Rede zur Weihnachtsfeier.
Was tue ich, wenn mir bei der eigenen Abschiedsrede die Stimme wegbleibt?
Dann machst du eine Pause, trinkst einen Schluck Wasser und sprichst weiter. Niemand im Raum nimmt dir übel, dass dich der Abschied berührt, im Gegenteil. Was vorher hilft: Lies die Rede zweimal laut, damit dich die schwierigen Sätze nicht überraschen. Setz den Satz, bei dem du am ehesten schlucken musst, ans Ende und nicht an den Anfang. Und druck die Rede groß aus, damit du die Stelle auch mit feuchten Augen wiederfindest.
Eure Geschichten fehlen noch
Die Beispiele zeigen den Aufbau. Was diesen Abschied ausmacht, wisst nur ihr. RedeStudio stellt dir die Fragen von oben, ordnet deine Antworten und schreibt daraus einen ersten Entwurf in deinem Ton, den du Satz für Satz anpasst. Ein Konto brauchst du zum Anfangen nicht.
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